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Geschichte
der Trainingsmethoden
Welches
ist das beste Training für mich? Wie trainiere ich am
effektivsten, und wie kann ich langen Verletzungspausen entgehen?
Allgemeine
Antworten gibt es auf diese Fragen nicht. Unterschiedliche
Menschen reagieren auch unterschiedlich auf Trainingsreize.
Allerdings haben sich im letzten Jahrhundert verschiedene
Trainingsmethoden entwickelt und durchgesetzt.
Am
Anfang des 20. Jahrhunderts ging man davon aus, dass allein
lange Trainingsläufe - über die Wettkampfdistanz hinaus
- dem Körper die beste Anpassung für den Wettkampf
brächten.
Intensives
Intervalltraining - Gerschler Methode Im
Jahr 1939 hatte Rudolf Harbig den großen
Durchbruch mit der neuen Trainingsmethode von Woldemar
Gerschler. Bundestrainer Gerschler setzte auf intensives
Intervalltraining, indem er seine Athleten schneller und kürzer
als im Wettkampf laufen ließ. Das Wettkampftempo sollte
seinen Athleten gemäßigt erscheinen. Harbig lief unter
Gerschler 800m in der Weltrekordzeit von 1:46,6min. Auch Emil
Zatopek setzte zwischen 1940 und 60 auf die Intervallmethode,
allerdings mit wesentlich höheren Umfängen. Er wurde
Olympiasieger über 5.000m, 10.000m und auch auf der
Marathondistanz.
Ausdauertraining
- Lydiard Methode Der Neuseeländer
Arthur Lydiard entwickelte die Ausdauermethode. Hierfür
absolvierten seine Athleten lange Tempodauerläufe im
sogenannten Steady State Tempo. Bei diesem Tempo, welches
durchschnittlich unter 85% der maximalen Herzfrequenz liegt,
findet die Energiebereitstellung noch aerob statt.
Laktatproduktion und -abbau befinden sich beim Steady State gerade
noch im Gleichgewicht, so das eine schnelle Übersäuerung
der Muskulatur ausbleibt. Nach Lydiard sind 160 Wochenkilometer
der optimale Trainingsumfang für einen Athleten. Das Jahr
1960 brachte Lydiard innerhalb einer halben Stunde Ruhm und
Ehre. Zwei seiner Athleten holten mit seiner Methode olympisches
Gold. Peter Snell über 800m und Murray Halberg
auf 5000m. Snell stellte 2 Jahre später den 800m Weltrekord
in 1:44,3min ein. In der Wettkampfvorbereitungsphase baute Lydiard
allerdings wieder auf kurze Tempoläufe und Sprints. Seine
Methode wird bis heute angewandt.
Multi
Stufen Training -
Coe Methode Das Multi Stufen Training verbannt
die einseitigen Trainingsmethoden. Diese Methode vereinigt mehrere
Trainingsschwerpunkte. Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und
Beweglichkeit werden hier trainiert und können je nach
Anforderung verschieden gewichtet werden. Der Körper wird
darauf eingestimmt, sich schneller anzupassen. Es werden nicht nur
die langsamen und schwächeren roten Muskelfasern ausgebildet,
wie es die Ausdauermethode zur Folge hat, sondern auch die
schnellkräftigen weißen Fasern. Lange Verletzungspausen
durch Überbelastung werden somit unwahrscheinlicher. Peter
Coes Methode wurde durch seinen Sohn
Sebastian Coe, der 8 Weltrekorde aufstellte,
bekannt. Sebastian Coes 800m Weltrekord von 1:41,73min aus dem
Jahre 1981 hatte 16 Jahre lang Bestand.
Eigene
Methode Die Methode, nach der ich trainiert
habe, trainieren lasse und wieder selbst trainiere, kommt am
ehesten dem Multi Stufen Training gleich. Zu meinen schnellsten
Tagen beinhaltete meine Woche zwei intensive Intervalleinheiten
mit Koordinationstraining, ein Sprinttraining, ein Krafttraining
und wahlweise einen Tempodauerlauf oder zwei bis drei Dauerläufe
sowie ab und zu eine Nicht-Laufeinheit wie Radfahren, Schwimmen,
Turnen oder (Hallen-)Fussball. In den Jahren 2002 bis 2006 habe
ich nach der reinen Intervallmethode trainiert. In meiner
Trainigsgruppe
war das Leistungsniveau
teilweise unterschiedlich, jedoch waren Tempo und Pausen
einheitlich vorgegeben. Da ich versuchte, mich an dem
Einheitstempo zu orientieren, führte das für mich
während dem Training zu einer dauerhaften Übersäuerung
der Muskulatur, wobei in den recht kurzen Pausen nicht genügend
Laktat abgebaut werden konnte. Aufgrund dieses Übertrainings
stagnierte meine Leistung, und ich verlor mehr und mehr an
Spritzigkeit. Das Leichte und Spielerische, und damit der Spaß
an diesem Sport, verließen mich vorerst. Seit
dem Jahr 2007, und seitdem die Folgen einer langen Verletzung und
einer OP abklingen, trainiere ich wieder nach der Multi Stufen
Methode und biete das Training als Mittelstreckentrainer an. Die
ersten Erfolge sind wieder erkennbar.
Meiner
Erfahrung nach ist das Multi Stufen Training dem Ausdauer- und
Intervalltraining in vielen Punkten wie Flexibilität,
Leistungssteigerung und Motivation überlegen. Auch bei langen
Distanzen und selbst in der Marathonvorbereitungsphase ist es
förderlich, Schnelligkeit, Kraft und koordinative Fähigkeiten
nicht außer acht zu lassen.
Ben
Lehmbach, Oktober 2007
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