Ben´s Buntes BilderBuch

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Von der Spielgruppe zum Leistungssport

Wuppertal. Am 1. Februar 1980 kam ich, durch einen kleinen Unfall, 4 Wochen zu früh auf die Welt. Aufgrund eines Herzfehlers mussten sich meine Eltern besorgt die Fragen stellen, ob ich überhaupt jemals mit anderen Kindern herumtollen, geschweige denn irgendwann einmal Leistungssport betreiben könne. Bis zu meinem 6. Lebensjahr sammelte ich wenig sportliche Erfahrungen, abgesehen von endlosen Spaziergängen mit meinen Eltern an der Ahr oder Fussballspielen im Flur mit meinem 10 Jahre älteren Bruder. 1986 kam ich in eine Turn- und Spielgruppe im Vohwinkler TV. 1989 bemerkten dann gleich zwei Trainer mein sportliches Talent und so stieg ich einerseits in die Leistungsgruppe der Gerätturner des VTV auf und began fast gleichzeitig meine sehr kurze Fussballkarierre im SC Sonnborn. Laufen fand ich zu dieser Zeit noch richtig langweilig, zumal mein Bruder dies, im Jugendbereich mit regionalen Erfolgen und mein Vater in der Seniorenklasse mit nationalen Erfolgen schon zu genüge ausübten. Ich stellte schnell fest, dass Fussball nicht allzu viel mit Sport zu tun hatte und derjenige der Beste war, der die meisten Freunde hatte und dementsprechend am häufigsten den Ball zugepasst bekam. Nach einem halben Jahr hängte ich das Leder schon wieder an den Nagel und konzentrierte mich ganz auf das Gerätturnen. Nach meinem erfolgreichen Grundschulabschluss 1990 dominierte ich in den Jahren 91 bis 95 das Wuppertaler Turngeschehen und wurde fünf Mal in Folge Stadtmeister im Vierkampf (Boden, Barren, Reck und Sprung). 1993 reichte es sogar zum Rheinischen Meister Titel. Allerdings war im Männerbereich die Konkurrenz auch sehr dürftig.

Foto: Am Barren. Rundenwettkampf, ca 1998

Im gleichen Jahr liess mein Trainer mich aus irgendeinem Grund auch die Schülerstadtmeisterschaften über 1000m bestreiten. Als Vize-Stadtmeister mit 3:19min (Schüler B) kehrte ich aber vorerst dem Laufsport den Rücken zu. Erst zwei Jahre später wurde mein Talent für den Laufsport aufgedeckt. Mein Bruder schleppte mich mitten in der Nacht zum 24std-Lauf, um mit drei oder vier anderen die 750m lange Strecke in einer Art Staffellauf für das Team Uni-Wuppertal über zwei Stunden auszufüllen. Dafür ging ich sogar einmal vorher mit meinem Bruder auf der Aschebahn trainieren. Als ich das erste Mal den Staffelstab bekam rannte ich einfach mit Vollgas los. Nach 100m merkte ich, dass ich auch mal atmen musste, was mir bis zu diesem Zeitpunkt vor lauter Aufregung noch gar nicht eingefallen war. Als ich den Stab dann an den nächsten Übergab wurde ich im Start- und Zielbereich von allen mit grossen Augen angestaunt. Ich (15 Jahre) war nicht nur 3s schneller gewesen als mein routinierter Bruder (25 Jahre), sondern auch aufgrund meines Alters und des Punktesystems sollte ich die meisten Punkte von allen Gruppen und allen Läufern des ganzen Tages für das Team geholt haben! Sogar mehr Punkte als Jens Overath sollte ich haben, ein Wuppertaler Top-Athlet, dessen 800m Bestzeit man in Zahlen schon gar nicht mehr ausdrücken kann (eins dreiundfünzig). In der darauffolgenden Woche entschied ich mich kurzerhand, zwecks Lauftraining, in einen Leichtathletikverein zu gehen. Die 1000m lief ich in diesem Jahr bereits in 2:55min (Schüler A). Beim BTV Wuppertal fing gerade ein Trainer aus Eschweiler an eine erfolgreiche Mittelstreckengruppe (Jugendbereich) um sich zu scharren. Mit den Zugpferden Jens und Lars Hillringhaus ging es auch direkt steil bergauf. Im Jahr 1996 holte ich mit Marc Röttger und Lars den Bergischen Kreismeistertitel vor den starken Leverkusenern. Im selben Jahr war es dann auch gleich wieder vorbei mit dem Laufen, denn ich machte einen entscheidenen Fehler: ich hörte auf meinen Kopf, anstatt auf meine Körper. Ich erlitt einen Ermüdungsbruch im Schienenbein und wurde von den Ärzten ein paar Wochen im unklaren darüber gelassen, ob ich je wieder Leistungssport betreiben könnte. Um die Genesung des Knochen zu gewährleisten musste ich ein halbes Jahre ganz auf den Laufsport verzichten. Weitere 1 ½ Jahre konnte ich keinen Leistungssport betreiben. Das Turnen half mir über die lange Durststrecke hinweg. Ich bemühte mich durch gezieltes Krafttraining die Muskulatur so aufzubauen, dass sie ein Teil der Last, die den Knochen belastete mittrug. In den Jahren 1997 und 98 wurd ich dann gleich noch zweimal Rheinischer Meister im Vierkampf. 1998 kehrte ich zum Leistungssport Laufen zurück, blieb aber dem VTV weitere drei Jahre, als ausgebildeter C-Trainer-„Kunstturnen“, erhalten.

Foto mit Cheftrainer(links) und Trainingsgruppe

Unsere Mittelstreckengruppe des BTV war in diesem Jahr so stark, dass wir gleich zwei A-Jugend Staffeln plus Ersatzläufern zu den Deutschen Meisterschaften ins Jahn-Stadion nach Berlin schicken konnten. Meine Leistungszunahme war groß genug, dass ich so gerade eben als dritter Mann in die zweite Staffel rutschte. Unsere erste Staffel mit Christian Stursberg, Ralf Scheel und Lars schaffte es sogar bis in den Endlauf, leider verloren sie dann aber den Stab und konnten „nur“ Platz 12 belegen. Die Deutsche Staffelmeisterschaft war auch gleichzeitig der Abschied unseres Trainiers, der zurück nach Eschweiler ging und dort heute die Schüler trainert. Unsere Gruppe bröckelte langsam auseinander, weil auch die meisten ihr Abi hatten und jetzt studierten oder Zivildienst auf Sylt leisteten. Im Jahr 2001 war ich mit einer Bestzeit von 1:55 über 800m der letzte Mittelstrecken-Leistungsträger, der Wuppertal und somit den BTV verliess. Ich kam nach Aachen um an der RWTH Maschinenbau zu studieren. Hier fand ich zu aller erst einen neuen Verein, die Aachener TG, mit Marc Winden und Philipp Nawrocki, die mir bereits aus überregionalen Ergebnislisten bekannt waren. Zeitgleich kam vom USC Bochum Max Eysel nach Aachen um Luft- und Raumfahrtechnik zu studieren. Mit ihm und Marc bildeten wir ein raketenschnelles Trio, dass es seit über 40Jahren bei der ATG nicht mehr gegeben hatte und erreichten im Jahr 2002 einen unverhofft grandiosen 6. Platz bei den Deutschen Junioren Meisterschaften in Hamburg. Mit der ebenso fantastischen Zeit landeten wir auf Platz 20 der Deutschen Jahresbestenliste der Männer. Jetzt ruht alle ATG-Hoffnung auf Jonas Tarekegne, der vielleicht einmal so schnell sein wird, dass wir dieses Meisterstück noch einmal wiederholen können. Momentan versuche ich wieder auf das Niveau der Nordrhein- und Westdeutschen Quali zu gelangen. Ausserdem bleib ich weiterhin dran, über 1000m und 3000m Hindernis einmal in die Deutsche Bestenliste zu rutschen. Studientechnisch gesehen wird es mich noch bis mindestens ins Jahr 2008 in Aachen halten.

Ben Lehmbach, Aachen, April 2006