So habe ich meine Heimstrecke noch nie gesehen
Also eigentlich war mein Lauf an sich eher unspektakulär. Zu schaffen hat mir natürlich das Ganze Drumherum gemacht. Ich habe in den 20 Stunden vor dem Lauf eine ganze halbe Stunde richtig geschlafen. Ingo und Stefanie sind gerade wieder weg. Viele Nudeln haben sie nicht runterbekommen. Ich hoffe es lag nicht an meiner Bolognesesauce? Jetzt fahren sie vorsichtig den pennenden Dieter durch die Nacht nach Wrist, wo wir gegen 8 Uhr eintreffen wollen.
Marc, mein Radbegleiter auf meiner Etappe und ich poofen noch ein paar Minuten bevor wir uns klar zum Start machen. Vorher haben wir schon abesprochen das ich den ersten Teil laufen werde weil ich an dem Tag sicher noch am Nord-Ostseekanal laufen muß um die fehlenden Etappen mitzudecken.
Eine Punktlandung legen unsere Vorläufer ab Ohlsdorf hin. Klasse Leistung, volle Anerkennung. Handshake, Dankeschön und wir brechen auf in den langsam anbrechenden Morgen. Zurücksetzten des Tachos und starten der Uhr. Zuerst geht es am absoluten Stadtrand Hamburgs entlang. Ab jetzt ist das alles sehr vertrautes Terrain. Hier könnte ich blind laufen bis Quickborn, das ist meine Haus- und Hofstrecke. Der schlagende Vorteil wenn man selbst planen kann. Wenige Minuten später verlassen Marc und ich das schlafende Hamburg. Der Himmel rötet sich zusehends, Nebel liegt in Bänken auf den Feldern rund um uns. Ich tue meine Euphorie häufig kund, fürchte allerdings, damit Marc zu nerven. Es ist einfach nur unbeschreiblich schön ganz früh morgens zu laufen. Ich habe das schon fast wieder vergessen. Morgens laufen, so habe ich mit dem Laufen im jahr 2000 begonnen.
Es rollt, es rollt erstaunlich gut. Immer wieder muß ich mich bremsen, denn es kommt auf nichts an - der geplante 6er Schnitt ist mittlerweile nicht mehr mein normales Trainingstempo. Ich versuche mich immer wieder zu zügeln, denn ich weiß, was mich an diesem anbrechenden Tag noch alles erwartet, zumindets erahne ich es.
Wir passieren Bönningstedt bzw. Randgebiete davon, kommen nach Hasloh. Gleißend geht die feuerrote Sonne auf als ich zwischen Hasloh und Quickborn meinen perfekten Rhytmus abspule. Marc fährt schweigend neben mir her. Man versteht sich, auch wenn wir beide keine Hamburger sind, wortlos.
Nachdem wir Quickborn hinter uns gelassen haben beginnt mich der Verkehr auf der B5 zu nerven. Endlich geht es Richtung Hemdingen. Der Morgen ist erwacht und die ersten Bewohner von Hamburgs Speckgürtel eilen in Richtung Hamburg. Wir passieren den Sportplatz in Hemdingen, den offiziellen Wechselpunkt. Blick auf die Uhr und weiter geht es. Wir haben errechnet, daß jeder genau 21,6 Kilometer laufen muß, damit wir die gesamten Kilometer gerecht teilen. Also laufe ich weiter bis Heede. Ich bin etwas kaputt, erhole mich leicht fröstelnd aber sehr gut auf dem Rad während Marc von nun ab läuft.
Ja, wir können, nicht wie 2004, auch unspektakulär laufen Spaß hat es gemacht. Für mich ein fantastisches Lauferlebnis. von Steif (17) - 28.07.2006 01:13
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