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| Nach dem 2. Anstieg: es wird langsam hell! |
Ein stimmungsvoller Lauf
Die Vorgeschichte:
2004 begleitete ich die Staffel ein kleines Stück, zum Mitlaufen war ich noch nicht fit genug. Irgendwann erklärte Dieter, er wolle mich bei der Staffel 2006 laufen sehen. Da konnte ich ja nicht kneifen, oder? Lange haben Elke und ich überlegt, wo wir laufen. Und irgendwann fiel dann die Entscheidung.
Diese Etappe war ursprünglich nicht unsere Wunschstrecke. So früh und so lang. Aber manchmal lassen einem Termine keine andere Wahl. Warum also nicht morgens im Halbschalf 20 km laufen. Nach 1. Überschlagen war die Strecke auch ganz harmlos, eher bergab als bergauf. Fein! Mit der Anmeldung kamen dann auch die Karten und das Profil: 260 m hoch und 270 m runter, dabei 4 ordentliche Anstiege, die gefährlich aussahen. Au weia!
Aber gut, jetzt waren wir ja schon mal angemeldet. Also laufen wir auch. Dieter trug sich als Mitläufer ein. Klasse! Dann kamen die üblichen Probleme vor solchen Ereignissen: nach meinem Sonntagslauf zog es bei mir auf der Rückseite des linken Oberschenkels, Montag kam Elke aus dem Wochenende heim und hatte einen ausgewachsenen Muskeltiger mitgebracht, Dienstag hatte Dieter einen dicken Fuß. Wir waren eine echte Invalidentruppe. Wie soll da die Staffel weitergehen? Die Lösung war: Ingo! Er sollte mit uns laufen. Für alle Fälle nahmen wir noch ein Fahrrad mit, das Jürgen für uns samt Wasser, Bananen und Klamotten im Auto von Kreuzung zu Kreuzung transportierte für den Fall der Fälle. Klar brauchten wir das Rad nicht.
Der Vorabend und die Nacht:
Um 22 Uhr ging ich ins Bett. Ich war sicher, dass ich nicht schlafen kann. So früh gehe ich sonst nie ins Bett. Aber ich konnte schlafen - bis 2:30, da ging der Wecker. Ein Tee, eine Schale Haferflocken mit Milch und Zucker, eine Banane - das war mein Frühstück an diesem Tag. Um 3:30 waren mit Elke verabredet, etwas verspätet trafen wir dort ein. Weiter ging es nach Krumbach. Unterwegs fing es an wie aus Kübeln zu schütten - unsere Laune sank ins Bodenlose. Tom, unser Vorläufer, kämpfte sich derweil durch die Naturdusche. Weit vor der Startzeit kamen wir am Freibad an. Steffi kochte uns noch einen Kaffee, wir reichten den Johannisbeerkuchen ins Staffomobil. Ingo kroch irgendwann aus der Koje. Und auch Tom tauchte aus der Nacht auf. Ein bisschen Smalltalk und dann wurde es ernst.
Ausgerüstet mit Warnwesten und Reflektorstreifen machen wir uns auf den Weg durch die Dunkelheit. Es regnet noch leicht. Erstmal geradeaus, dann links über die Brücke. Ich: "Hier abbiegen?" Elke: "Nein, weiter vorne!" Etwas später: "Ich glaube, wir mussten doch da abbiegen." Also zurück. Ruhig ist es in der Stadt. 3 Läufer mit einem Staffelstab traben durch die Straßen. Aus der Bäckerei kommt ein verführerischer Duft nach Brötchen. Wir widerstehen. Wir haben eine Mission! Weiter geht's! Ingo: "Isses noch weit?" Ich: "Noch gut 19 km!" Ingo: "Dann ist ja gut!" So langsam steigt unsere Laufstrecke an. Am Ortsausgang steht Jürgen mit dem Crizzy-Mobil und macht Fotos: Glühwürmchen in nasser Nacht. Uns geht es gut. Der Muskeltiger schweigt und auch mein Muskel bleibt ruhig.
Jetzt geht es ein ganzes Stück bergan an (ca. 50 Hm). Wir sind frisch und so ist dieser 1. Berg auch nur halb so wild. Anschließend rollen wir nach Deisenhausen, wo das Crizzy-Mobil auf uns wartet und uns mit Wasser versorgt. Es geht uns immer noch gut. Der Regen hat vollends aufgehört und langsam wird es heller. Weiter geht es dem nächsten Anstieg entgegen, diesmal nur 30 m gefolgt von weiteren 25 Hm, die sich über ca. 5 km dahinwellen.
Wir merken es fast nicht, dass es aufwärts geht. Die Straße gehört uns. Die Lauftemperatur ist perfekt. Wolken, Wiesen, Felder, Wald und ein paar Weiher sorgen für eine wunderbare Stimmung. Solche Stimmungen hat man nur, wenn man in den Morgen oder in die Nacht hineinläuft. Gleichmässig treffen unsere Füße auf die nasse Straße. Die Kraft des Güldenen durchfließt uns. Und dann steht da auch schon Jürgen bereit, er meinte, bis Ingstetten wär es ihm etwas lang vorgekommen, er wartet schon mal hier auf uns. Passt gut. Wir entledigen uns unserer Warnwesten. Ein Schluck Wasser und weiter geht es.
Es folgt eine Strecke durch den Wald. Inzwischen tauchen auch ein paar Autos auf. Es geht nochmal etwas bergauf. Dann blicken wir auf 3 Zwiebeltürme. Einer gehört zur Kirche von Ingstetten, die anderen zum Kloster Roggenburg: "Ist das schon das Kloster?" Elke: "Ja!" Steil geht es hinunter in den Ort. Wieder steht da das Crizzy-Mobil. Diesmal genehmige ich mir ein halbe Banane: ich habe Hunger. Mitten im Ort gibt es einen kleinen Huckel. Das Ortsausgangsschild verkündet, es seien nur noch 8 km bis zum Ziel!
Und wieder geht es bergan: die 3. fette Steigung. Diesmal fällt es mir nicht mehr leicht. Ein Radfahrer kommt uns entgegen: es ist Tom. Er begleitet uns ein Stück und erklärt, wo wir weiter laufen müssen. Wir schlagen seine Beschreibung in den Wind, wir haben nämlich beschlossen, dass wir am Weiher entlang laufen und die Hauptstraße einfach rechts liegen lassen für ein paar km. Außerdem wartet Jürgen am Weiher auf uns. Weiter geht es Richtung Biberach. Dieter kommt uns mit dem Rad entgegen und begleitet uns bis Weißenhorn. Klasse! Ingo singt: "Deeutschlaand Staaffäälll!" Die Kühe gucken etwas komisch aus dem Stall. An der nächsten Ecke stehen Jürgen und Tom mit dem Crizzy-Mobil.
Langsam wird es schwerer. Ich mache mehr und mehr Gehpausen. Aber ich weiß, dass ich den Rest auch noch schaffe! Ist ja jetzt der letzte Anstieg userer Etappe. Elke läuft mit Dieter voraus. Ingo bleibt bei mir und gibt sich alle Mühe, mich zu motivieren. Was auch funktioniert! Er gibt genaue Anweisungen, damit ich würdig am Übergabepunkt ankomme. Noch einmal fließt die Energie durch meinen Körper. Da geht noch was! Elke und Dieter warten, damit wir gemeinsam ankommen. Und plötzlich steht da auch das Staffomobil. Das ist aber nicht der Marktplatz. So wird das nix mit meinen 20 km am Stück. Aber gut! Ingo: "Iss noch weeiiitt?" Christiane: "Nein, wir sind gleich da!" Ingo: "Krieg ich ein Eis?" Dieter: "Ingo, du kriegst kein Eis!"
Freudig werden wir von Steffi, Tom, Bernd und Martin empfangen. Bernd und Martin werden den Stab weiterbegleiten bis Ulm. Aber das ist eine andere Geschichte. Ganz offiziell mit Foto wird der Stab überreicht. Der Güldenen strahlt zufrieden vor sich hin! Die Drei starten durch. Und für uns heißt es Abschied nehmen. Elke und Jürgen fahren heimwärts, ich begleite die Staffel im Staffomobil bis Urspring.
Ein herrlicher Lauf war es! Wir hatten viel Spaß unterwegs. Die Stimmung war supertoll. Vielen Dank an Steffi für den Kaffee, an Ingo für die perfekte Begleitung (kann man dich buchen?), Dieter für die Radbegleitung und natürlich an meinen Lieblingssupporter Jürgen, der uns perfekt unterstützt hat! Habe ich noch was vergessen? Es war toll die Staffomannschaft zu treffen und kennen zu lernen.
Ne, ich hör jetzt lieber auf. Sonst muss ich noch Olzo, den Oberhäuptlingen, Häuptlingen und allen Läufern danken. Das wird zu viel! Da werde ich ja nie fertig!
Weitere Bilder gibt es hier:
http://crizzy.home.pages.de/laufen/ds06/index.html 
von crizzy (53) - 04.08.2006 22:43
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